4. Dezember 2018

Altersvorsorge als langfristige Beteiligung am Produktivkapital

Die klassischen Formen der Altersvorsorge bringen kaum noch Rendite; dennoch kommt laut jüngsten Umfragen für viele gesetzlich Rentenversicherte eine private Altersvorsorge nicht in Frage. Vor diesem Hintergrund sorgt der jüngste Vorschlag des CDU-Politikers Friedrich Merz, Aktienkäufe durch Arbeitnehmer staatlich zu fördern und steuerlich zu begünstigen, für eine kontroverse Diskussion.

So lehnte im Gespräch mit der »Rhein-Neckar-Zeitung« der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln, Michael Hüther, den Vorstoß ab. Mit Programmen wie den Riester- und Rürup-Renten gebe es bereits eine steuerliche Förderung, die aus verschiedenen Gründen auch kritisiert werde. Es müsse gefragt werden, ob durch bestehende Regelungen bestimmte Anlageformen diskriminiert würden. (1) Die Wirtschaftsweise Isabel Schnabel sagte der „Welt“, eine gezielte Begünstigung spezieller Anlageformen halte sie für „problematisch“. „Besser wäre es, bestehende steuerliche Verzerrungen abzubauen.“ Angesprochen auf den Charakter von Aktien als Risikopapiere sagte Merz in der ARD, aus seiner Sicht sei „langfristige Beteiligung am Produktivkapital der Unternehmen“ verlässlich. (1)

Staatlicher Vorsorgefonds à la Schweden als Alternative?

Diesem Argument von Merz stimmte der Finanzexperte der Grünen-Fraktion Gerhard Schick im Tagesspiegel zu: Er teile »die Meinung, die Altersvorsorge sollte tatsächlich stärker über produktives Kapital erfolgen. Allerdings fehle es nicht an steuerlicher Förderung, sondern an einem guten und einfachen Angebot, bei dem nicht Banken und Versicherungen die Hand aufhielten.« Schick: »Wenn Merz weniger die Interessen von Finanzmarktakteuren im Blick hätte, würde er unseren Vorschlag für ein einfaches Non-Profit-Produkt zur Altersvorsorge aufgreifen.« (2)

Wie eine solche Lösung aussehen kann, erläuterte Thomas Beutler von der Verbraucherzentrale des Saarlandes in einem aktuellen SR-Radio-Beitrag. Laut Beutler sei »ein Vorsorgefonds, der zum Selbstkostenpreis die Möglichkeit gibt, auch in Aktien zu investieren, eine sinnvolle Sache«. Als Beispiel wird im Beitrag der staatliche Vorsorgefonds in Schweden genannt. (3)

Aktien nur eine Option für Wohlhabende?

Karin Meyer, die Redakteurin dieses SR-Beitrags, kommt tags darauf in einem Studiogespräch zu folgender Einschätzung: »Geld in Aktien anlegen, ist da eben keine Lösung, das gilt nur für Wohlhabende, die vielleicht ihre Absicherung fürs Alter ergänzen wollen.« (4)

Diese Kritik teilen auch andere Kommentatoren des Merz-Vorschlags. Weder Merz‘ Aktien-Vorschlag noch ein Vorsorgefonds könnten jedoch das Problem lösen, befindet Florian Diekmann auf spiegel-online: Große Teile der Bevölkerung seien schlichtweg nicht in der Lage, etwas für ihre Altersvorsorge zurückzulegen. Die aktuellen Zahlen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) belegten, dass die Hälfte der deutschen Haushalte monatlich im Schnitt weniger als 150 Euro im Monat sparen könnten – »also jene fünf Euro am Tag, die Merz für eine einzige Person als angemessen betrachtet«, stellt Diekmann fest und kommt zu dem Schluss: »Wer die absehbar stark steigende Altersarmut bekämpfen möchte, müsste Konzepte vorlegen, wie dieser ärmeren Hälfte mehr Geld bleibt, um es zum Beispiel in Aktien zu investieren.« (5)

 

Zitierte Quellen:

  1. spiegel.de, 3.12.2018
  2. Tagesspiegel.de, 2.12.2018
  3. SR, 3.12.2018
  4. SR, 4.12.2018
  5. spiegel.de, 3.12.2018

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