11. Januar 2019

2019: Niedrigzinsen und Angst vor der Altersarmut

»Die Versorgungslücke im Alter entsteht durch zwei Fehleinschätzungen: Die Unterschätzung, wieviel man im Alter benötigt, und die Überschätzung, wieviel man bekommt.“

(Achim Reichert, Physiker, ehemaliger Hamburger Politiker)

 

Mehr als jeder zweite Bundesbürger (56 Prozent) sorgt sich um seinen Lebensstandard und die mangelnde Absicherung im Rentenalter. Das ergab eine repräsentative Umfrage des Beratungshauses Ernst & Young zum Verbrauchervertrauen 2019, durchgeführt im November 2018. (1) Im Vergleich zur Vorjahresumfrage hatte diese »Sorge« um 18 Prozent zugenommen – mehr als alle anderen wie Arbeitsplatzverlust oder mögliche Krankheit.

Die Angst vor Altersarmut rückt stärker als andere Themen ins Bewusstsein der Deutschen – mit gutem Grund, denn die Rente reicht immer weniger. So sieht es Helmut Achatz in seinem Artikel auf dem Portal vorunruhestand.de (2)

Auf Nummer sicher mit Nullzinsen?

In einem weiteren Kommentar vom 9. Januar 2019 schreibt Achatz, dass angesichts der weiter anhaltenden Niedrigzinsen eigentlich »jeder Konsequenzen ziehen und sein Geld nicht mehr festverzinslich anlegen« müsse. Man könne es ja auch in Aktien investieren, jedoch fühlten sich viele »von den erratischen Kursausschlägen an der Börse überfordert und gehen lieber auf Nummer sicher.« (3) So seien laut Deutscher Bundesbank (4) von fast sechs Billionen Euro Geldvermögen der Deutschen 2,3 Billionen Euro bzw. 40 Prozent in Tages- und Festgeld sowie Sparbüchern und -briefen investiert – oder lägen als Bargeld zuhause und im Banktresor. Denn noch immer vertrauten »viele auf ihre Sparkasse, statt sich nach lukrativeren Alternativen umzusehen.« (3)

Dabei trifft die lang anhaltende Phase extrem niedriger Zinsen vor allem die privaten Haushalte: So haben laut einer dem Handelsblatt vorliegenden Berechnung der DZ Bank »die Niedrigzinsen deutsche Sparer zwischen 2010 und 2018 fast 300 Milliarden Euro gekostet« (5).

Wenig Vertrauen in die drei Säulen der Altersvorsorge

Kein Wunder, dass – nach einer Umfrage des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA) im vergangenen Dezember – die Deutschen wieder etwas skeptischer auf ihre Altersvorsorge blicken, stellt Florian Burghardt auf procontra-online.de fest: »Nachdem das Vertrauen der Menschen hierzulande in die 3 Säulen der Alterssicherung (gesetzliche, betriebliche und private Vorsorge) im Jahr 2017 einen Vertrauenszuwachs erlebte, zeigte der Trend im Jahr 2018 wieder nach unten.« (6)

Die Betroffenen kommen zu Wort: TV- und Hörfunk-Tipps zum Thema

Soweit die Statistik und die Umfragen. Wie aber schlägt sich das Thema Altersarmut konkret im Alltag der Betroffenen nieder? Dem geht etwa Tanha Filipp-Mura am Sonntag, 13.01.2019 auf SR3-Saarlandwelle nach in einem Hörfunk-Feature »Aufgeben gilt nicht« (Altersarmut im Saarland).

Wenn die Rente nicht reicht und Senioren verzweifeln, dann sind deren Kinder gefragt. Doch mit welchen Problemen haben die gerade zu kämpfen? Und können die Eltern ihre Hilfe überhaupt annehmen? Um diese Fragen dreht sich die Dokumentation »Meine Mutter, mein Sorgenkind«, die am Dienstag, 15.1.2019 (von 22.15 bis 22:45 Uhr) im ZDF ausgestrahlt wird.

Zitierte Quellen: