25. Februar 2019

Wenn die Zukunft uns einholt: Altersvorsorge geht alle an

Nachdem im Januar Hubertus Heils Vorschlag einer Gerechtigkeitsrente heiß diskutiert wurde, kommen nun im Februar die Grünen mit dem Vorschlag eines Bürgerfonds für die Altersvorsorge. Und während sich viele mit dem Thema einer drohenden Rentenlücke beschäftigen und gute Ratgeber gefragt sind, stellte sich nun die Verbraucherzentrale Bremen selbst ins Abseits: Sie musste Insolvenz anmelden wegen Fehlern bei der Altersvorsorge der eigenen Mitarbeiter.

Quo vadis Altersvorsorge? Der Streit um Konzepte hat begonnen. (Foto: Pixabay)

Die Grünen wollen mit einem öffentlich-rechtlichen „Bürgerfonds“ die private Altersvorsorge vereinfachen und verbessern, vermeldet n-tv (1). Ein solcher Fonds biete gerade für jene mit kleinen oder mittelgroßen Ersparnissen »eine risikoarme und vor allem extrem preiswerte Anlageform“, wird das von Parteichef Robert Habeck und Europawahl-Spitzenkandidat Sven Giegold verfasste Papier zitiert. Investieren solle der unabhängig verwaltete Fonds schwerpunktmäßig in Aktien, und zwar „sozial und ökologisch unbedenklich“.

Verbraucherzentrale Bremen insolvent: wegen Fehler bei der Altersvorsorge ihrer Mitarbeiter

Bei so viel Bürgernähe mit einem Bürgerfonds ist eine Meldung aus Bremen nahezu ein Schlag ins Gesicht aller bemühten Reformer: Wegen Fehler bei den Altersrückstellungen in den Arbeitsverträgen ihrer Mitarbeiter ist die Verbraucherzentrale Bremen in finanzielle Schieflage geraten und musste einen Insolvenzplan aufstellen. Wie Laura de la Motte im Handelsblatt (2) schreibt, »sorgt die Pleite inzwischen für jede Menge Spott in den sozialen Netzwerken«.

Aber nicht nur dort: Der Bundesverband Finanzdienstleistung (AfW), nutzte die Vorgänge in Bremen sogar als Steilvorlage, so de la Mott: »Schon mehrfach hatte der Verband kritisiert, dass die Mitarbeiter der Verbraucherzentralen nicht ausreichend qualifiziert seien, wenn es um Themen wie Altersvorsorge und Risikoabsicherung gehe.« Kein Wunder, denn im Gegensatz zu den gewerblich tätigen Vermittlern und Beratern müssten diese keine Sachkunde nachweisen.

Rentenlücken und ihre Tücken

Pikanterweise wurde am selben Tag (21.2.2019) in einem dpa-Artikel zum Thema Rentenlücke in der Ausgburger Allgemeinen (3) als Fachmann ein »Finanzexperte der Verbraucherzentrale Bremen« zitiert. Das Zitat ist weniger interessant als die Erwähnung einer Faustregel zur Feststellung einer Rentenlücke: »Um den gewohnten Lebensstandard zu halten, sollten etwa 80 Prozent des letzten Nettoeinkommens zur Verfügung stehen. Da dieser Wert mit der gesetzliche Rente bei den Allermeisten kaum zu erreichen ist, ergibt sich eine Rentenlücke.« Um diese Lücke zu schließen, so der Autor Falk Zielke weiter, »müssen Arbeitnehmer nach Berechnungen der Fondsgesellschaft Fidelity International bis zum Renteneintritt pro Jahr etwa 21 Prozent des Einkommens in die private Altersvorsorge investieren.« Das Beispiel: ein 44-Jähriger Arbeitnehmer mit einem Bruttojahresverdienst von rund 38.000 Euro. Für eine ausreichende Vorsorge müsse dieser laut Fidelity bis jetzt 150.000 Euro beiseitegelegt haben. Das entspreche etwa dem Vierfachen des Jahreseinkommens.

Zitierte Quellen:

  1. N-tv.de, 21.02.2019 (jwu/dpa): Grüne wollen Bürgerfonds für Rentenfinanzierung
  2. Handelsblatt.com, 21.02.2019, Laura de la Motte: Fehler bei Altersrückstellungen – Verbraucherzentrale Bremen meldet Insolvenz an
  3. Augsburger-allgemeine.de (dpa), Falk Zielke, 21.02.2019, Sorge ich finanziell genug für das Alter vor?

Weitere aktuelle Infos zum Thema Rente und Rentenlücke:

n-tv.de bietet eine eigene Unterseite mit allen Beiträgen zum Thema Rente

Auf fairzinsung.com unter #rentenluecke

Beratung zum Thema Altersvorsorge bieten die Berater der 7x7finanz GmbH an.