4. Juni 2019

2019 ein gutes Jahr für nachhaltige Kapitalanlagen

»Nachhaltigkeit und Rendite gehören zusammen. Diese Überzeugung setzt sich bei immer mehr Investoren durch. Besonders bei den aktuell niedrigen Zinsen sind nachhaltige Kapitalanlagen deshalb eine attraktive Investitionsmöglichkeit.« Dieses Zitat stammt aus dem gerade veröffentlichten »Marktbericht Nachhaltige Geldanlagen 2019« für Deutschland, Österreich und die Schweiz. Der Herausgeber, das Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG) untermauert diese optimistische Einschätzung mit Zahlen und Fakten aus der Befragung von 81 Teilnehmern.*

Die Summe Nachhaltiger Geldanlagen in Deutschland erreicht mit 219 Milliarden Euro (zum 31.12.2018) laut FNG-Bericht einen neuen Höchststand. Das starke Wachstum im Markt für Nachhaltige Geldanlagen werde hierzulande allerdings weiterhin maßgeblich von institutionellen Investoren getrieben. Sie stehen für knapp 93 Prozent aller nachhaltigen Fonds und Mandate. Im Unterschied zu Deutschland (7%) ist der Anteil privater Investoren in Österreich (20%) und der Schweiz (33%) deutlich höher.

Dass es weltweit künftig jedoch noch viel größerer Anstrengungen auch privater Investoren bedarf, zeigt die beeindruckende Summe, die lt. Schätzungen erforderlich ist, um die UN-Nachhaltigkeitsziele (SDGs) zu erfüllen: »Es wird geschätzt, dass zusätzliche Investitionen in der Größenordnung von jährlich USD 2,5 Billionen nötig sind, um die SDGs bis 2030 zu erreichen. Klar ist, dass die Finanzierung der Investitionen nicht allein durch öffentliche Mittel oder Spenden realisierbar ist. Private Gelder müssen in riesigem Ausmaß in Projekte fließen, die zur Erreichung der Ziele beitragen.« (Bericht, Seite 72)

Green Bonds & Co gegen den Klimawandel

Eines der 17 SDGs besteht in »Maßnahmen zum Klimaschutz«. Bei diesem Thema hat sich in den drei Ländern der FNG-Studie einiges getan: »Der Klimawandel rückt verstärkt in den Fokus vieler Finanzinstitute, die mit konkreten Maßnahmen versuchen, dem etwas entgegenzusetzen. Insgesamt haben 53 Finanzdienstleister Angaben zu Strategien im Hinblick auf den Klimawandel gemacht. Ein sehr häufig genutztes Instrument sind grüne Investitionen wie Green Bonds zur Finanzierung umwelt- und klimaverträglicher Vorhaben.«

Die Autoren des Berichtes werfen auch einen Blick auf die mögliche weitere Entwicklung des nachhaltigen Kapitalmarktes. Eine Kernbotschaft greift eine von der EU für kommendes Jahr geplante Vorgabe für die Anlageberatung auf: »Die verpflichtende Abfrageder Nachhaltigkeitspräferenz in der Anlageberatung wird großen Einfluss auf

die Entwicklung des Marktes für Nachhaltige Geldanlagen haben.« Eine andere Botschaft bezieht sich auf das so genannte Impact Investing, das Investieren mit Wirkung: »Derzeit spricht einiges dafür, dass die Frage nach der Wirkungsorientierungvon Investments zu einernächsten EntwicklungsstufeNachhaltiger Geldanlagen führen wird.«

Nachhaltige Wirkungen von Investitionen

Der Begriff Impact bzw. Wirkung sei im Rahmen nachhaltiger Geldanlagen »nicht eindeutig definiert und damit nur schwer kategorisierbar«. Wirkung drücke sich mehrdimensional aus: »Nach der bislang vorherrschend diskutierten Frage der Wirkung Nachhaltiger Geldanlagen auf den finanziellen Anlageerfolg rückt nun zunehmend die Frage nach der Wirkung auf Umwelt und Gesellschaft, sprich auf eine nachhaltige Entwicklung, in den Fokus. Die Offenlegungspflichten zielen bereits in solch eine Richtung, wenn sie beispielsweise von den Finanzdienstleistern fordern, darüber zu berichten, ob sie die negativen Wirkungseffekte ihrer Investments auf Mensch, Gesellschaft und Umwelt prüfen.«

Kohle erstmals unter den »Top Ten« der Ausschlusskriterien

Solche negativen Wirkungen von Investments versucht man seit einigen Jahren durch definierte Ausschlusskriterien bei Investitionsentscheidungen zu verhindern: von Waffen über Kinderarbeit bis hin zu Kernkraft und Korruption. Neu unter den »Top Ten« der Ausschlusskriterien ist laut Bericht die Kohle – als CO2-Verursacher und fossiler Energieträger: »Der Ausschluss von Kohle gilt für 72,8 Milliarden Euro und ist damit innerhalb kürzester Zeit zu einem zentralen Ausschlusskriterium im Jahr 2018 geworden.«

Neben solchen Themen widmet sich der Bericht auch der kritischen Beobachtung bestimmter Investitionsfelder in Deutschland: »Die wichtigste Ursache für den Einbruch der heimischen Investitionen in erneuerbare Energien ist wohl die sprunghafte Förderpolitik der Bundesregierung.« Allerdings zeige die Entwicklung auch, »dass die deutsche Finanzindustrie bestehend aus Banken und Vermögensverwaltern ihrer Rolle als Transmissionsriemen für Investitionen in nachhaltiges Wirtschaften noch nicht in vollem Umfang gerecht wird.«

Trotz vieler kritischer Punkte ziehen die Autoren des FNG-Berichts ein optimistisches Fazit: »Wir sind davon überzeugt, dass sich der Markt für nachhaltige Kapitalanlagen auch 2019 weiter positiv entwickeln wird.«

Das Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG)

ist seit 2001 der Fachverband für Nachhaltige Geldanlagen im deutschsprachigen Raum (D, AT, CH). Zu den rund 190 FNG-Mitgliedern zählen Banken, Kapitalanlagegesellschaften, Ratingagenturen, Finanzberater, wissenschaftliche Institutionen, Versicherungen, NGOs und Privatpersonen.

*An dem Marktbericht 2019 haben in D-A-CH 81 Teilnehmer teilgenommen, davon 58 aus Deutschland, eine davon war die 7×7 Unternehmensgruppe. Deren Tochter 7x7finanz GmbH ist Mitglied im FNG.

FNG Marktbericht Nachhaltige Geldanlagen 2019, 75 Seiten Umfang.

Download-Link: FNG-Marktbericht 2019