7. Februar 2019

Pensionskassen – Probleme weiten sich aus – Fehler bei der Regulierung

Ein Kommentar von Helge von Hagen

Helge von Hagen, bAV-Berater der 7x7finanz GmbH

Bereits Mitte August 2016 hatten wir in einem Blog-Beitrag vor den Problemen von Pensionskassen gewarnt. Drei aktuelle Fälle zeigen, dass diese Warnungen nur zu berechtigt waren. Helge von Hagen, Referent für betriebliche Altersversorgung, beleuchtet in seinem Kommentar die Lage.

Die aktuelle Situation: drei beispielhafte Fälle

Am 4.12.2018 veröffentlichte die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), dass sie der Pensionskasse der Caritas das Neugeschäft untersagt hat. Die Pensionskasse kann gegenwärtig die Solvenzkapitalanforderungen nicht erfüllen und ein bereits in der Vergangenheit vorgelegter Sanierungsplan, war aus Sicht der BaFin unzureichend.

Nur einen Tag später meldeten Fachmedien, dass auch die Schwestergesellschaft, die Kölner Pensionskasse, ihr Neugeschäft eingestellt hätte. Auch dort würden die aufsichtsrechtlichen Mindest-Kapitalanforderungen nicht erfüllt. Interessanterweise findet sich auf den Webseiten der beiden Pensionskassen (Stand 06.02.2019) keinerlei Hinweis auf die BaFin Verfügungen oder die bestehenden wirtschaftlichen Probleme. Dafür kann man nachlesen, dass die Zeitschrift ÖKO-TEST die beiden Pensionskassen in 2008 und 2010 mit Bestbewertungen ausgezeichnet hatte. Auch das gute Abschneiden in Finanztest (9/2008) wird erwähnt.

Kaum war dieser Schock verdaut, kündigte sich Mitte Dezember das nächste Debakel an. Die Baden-Badener Pensionskasse, die die Altersversorgung der ARD-Landesrundfunkanstalten, von Deutscher Welle, DeutschlandRadio und einigen ARD-Beteiligungsgesellschaften organisiert, ist ebenfalls in massive Schieflage geraten. So stark, dass die ARD laut Medienberichten beabsichtigt, das Eigenkapital der Pensionskasse um 50 Millionen Euro zu erhöhen. Zur Finanzierung dieses Bedarfs steht eine Erhöhung der Rundfunkgebühren im Raum.

Die Analyse: Niedrigzinspolitik und Regulierungswut

Diverse Medienberichte nennen als Auslöser für die Krisen der genannten Pensionskassen übereinstimmend die anhaltende Niedrigzinspolitk der Europäischen Zentralbank (EZB). Diese fordert offensichtlich immer mehr Opfer und hat, wie gezeigt, massive Auswirkungen auf die Altersvorsorge der deutschen Bürger. Denn auch wenn aktuell nur noch 31 von 137 Pensionskassen unter intensiver Beobachtung durch die BaFin stehen, sind doch alle Pensionskassen von den Auswirkungen der Niedrigzinspolitik der EZB, z.B. durch die weiter anschwellende Zinszusatzreserve, betroffen.

Aber auch auf der Seite der staatlichen Regulierung läuft seit längerer Zeit etwas verkehrt. Befand man sich bis zur Finanzkrise 2008 in einem internationalen Deregulierungswettlauf, ist dieser in einen regelrechten Regulierungsfuror umgeschlagen, der teilweise Züge eines Kurierens am Symptom trägt. Während der deutsche Gesetzgeber, in der Diskussion um das Betriebsrentenstärkungsgesetz, verstanden hat, dass eine rein auf Sicherheit ausgerichtete Kapitalanlagestrategie langfristig nicht die für eine auskömmliche Altersversorgung notwendigen Erträge bringen wird, hat es diese Erkenntnis wohl noch nicht bis nach Brüssel geschafft. Immer noch werden Pensionskassen und Lebensversicherer dafür »belohnt«, dass sie sich mit europäischen Staatsanleihen eindecken, da für diese kein Eigenkapital zu hinterlegen ist. Volkswirtschaftlich gesehen handelt es sich dabei aber um eine Fehlallokation.

Das Fazit: besser in reale Werte investieren statt in vermeintlich sichere Staatsanleihen

Sinnvoller wären verstärkte Investitionen in Aktien, andere Formen der Unternehmensbeteiligungen oder Realinvestitionen in Sachwerte. Gerade bei den Sachwertinvestments, u.a. im Bereich erneuerbare Energien, lassen sich immer noch langfristig gut kalkulierbare Erträge erwirtschaften, die auf einem für die Pensionskassen und die Versicherten auskömmlichen Niveau liegen. Natürlich sind solche Investitionen immer mit einem unternehmerischen Risiko verbunden. Aber meines Erachtens ist es für alle Beteiligten besser, ein handhabbares Risiko zu tragen, als durch den Kauf von »sicheren« Staatsanleihen garantiert in die Überschuldung zu rutschen.


Kontakt zu Helge von Hagen: h.hagen@7x7finanz.de